Dienstag, 29. Mai 2012

"Ein allzu kurzes Leben" für die lesende Minderheit

Kennt ihr die lesende Minderheit? Ein Gemeinschaftsblog von 2 meiner liebsten Bloggerinnen! Caro (von "Draußen nur Kännchen!") und Bine (von "was eigenes") sammeln darin gute Buchempfehlungen, sind doch beide Bücherwürmer, so wie ich.
Es gibt aber auch eine Mitmach-Aktion. Alle 2 Monate rufen die beiden auf, ein Buch zu einem bestimmten Thema zu lesen und dann darüber zu schreiben. Für Mai und Juni ist es das Thema "Lies eine Biografie!" (Alle Infos und welche Bios die beiden selbst lesen hier.)

Ich habe schon viele sehr interessante, gute Biografien gelesen. Sehr gut gefallen mir seit ein paar Jahren die biografischen Romane von Hera Lind, die immer auf sehr bewegenden, wahren Schiksalen beruhen...

Aber eine Biografie habe ich letztens verschlungen und sie war etwas ganz Besonderes:

















(Foto und Bestellung direkt von hier. Ich musste das wahnsinnige Buch direkt weiter verleihen...)

Auch wer kein Fußball-Fan ist, wird dieses Buch sicher lieben. Ich bin einer. Vielleicht hat es mich deshalb noch mehr bewegt ?! Ich kann mich noch genau an den 10.11.2009 erinnern, wie in der Erinnerung an den 11. September 2001...

Es war auch ein Dienstag. Ich habe im Bett noch ein bißchen "Inas Norden" im NDR geschaut, als plötzlich eine Eilmeldung als Laufband durch die Sendung lief. Ungefähr stand dort "Nationalspieler tot..." Sofort wechselte ich in den Videotext. Es waren erstmal nur Gerüchte und im Laufe des Abends stellte sich dann heraus, dass es wohl ein Selbstmord von Robert Enke war... Ich war traurig, sehr betroffen, völlig überrascht und verwirrt. War er doch seit der WM und in der Bundesliga bei Hannover immer eine feste Größe... Am nochfolgenden "Feiertag in Köln", dem 11.11., gab es nur ein Gesprächsthema... Erst viel später erfuhren "wir" von seiner unglaublich starken Frau, dass er krank war und haben nur eine kleine Ahnung von seinem Leben mit der Diagnose "Depressionen" bekommen.

In Zusammenarbeit mit Robert Enkes Witwe Teresa und seinem langjährigen Freund und Berater Jörg Nebelung wurde "Ein allzu kurzes Leben" geschrieben... Erst hier habe ich wirklich verstanden, was dies für eine hinterhältige furchtbare Krankheit ist. Der lange, lange Leidensweg von Robert Enke und seiner Familie, das Geheimhalten in der Öffentlichkeit und bei Kollegen, Trainern, Sponsoren und Freunden. Unvorstellbar, was dieser Mann und seine Familie durchgemacht haben...
Das Buch beschreibt sehr genau den Alltag der Familie Enke mit der Krankheit von Robert. Mit den ganz wenigen, sehr bekannten Personen, die davon wussten. Ich konnte mir vorher nicht vorstellen, wie einen diese Krankheit in seinem Alltag einschränkt und was seine engsten Liebsten für schlimme Jahre durchgestanden haben... Als Spieler der deutschen Fußballnationalmannschaft, als Mann in der Öffentlichkeit, war es sicherlich noch einmal doppelt so schwer für Robert Enke und seine Familie... Als Fußball-Fan und wenn man Einblicke in deutsche Profi-Vereine bekommen hat, ist es immer noch unvorstellbar, wie sehr er sich gequält haben muss.

Was für mich das Besonderste an diesem Buch war?  Ich habe am Ende einen dicken Kloß im Hals gehabt und geweint!
Okay, das mag für einige jetzt nichts Besonderes sein. Aber für mich. Ich SCHWÖRE Euch: ich habe noch NIE NIE NIE bei einem Film oder bei einem Buch geheult!
Titanic? Pfff selber Schuld, wenn Leo seinen süßen Hintern nicht auch auf ne Tür gehieft hat... An meiner Seite? Okay war schon traurig mit Susan Surandon. Liebesromane? Schicksalsromane? Ja, okay zieht mich in den Bann, ist alles total schlimm und tragisch, aber ich bin echt nicht nah am Wasser gebaut... (Äh ja bei Musik sieht das anders aus... :-) )
ABER bei dieser wahnsinnigen Biografie musste ich die letzten 150 an einem Stück lesen. Ich war plötzlich Teresa Enke. Ich habe so mit ihr, wie sie gefühlt. Ich hab mich in den Kopf dieser jungen starken Frau versetzt und alles nur noch durch ihre Brille gelesen... Das Buch ist so unglaublich ehrlich, offen, detailliert und mitreissend geschrieben. Das hab ich selten erlebt. Vor allem mit diesem Gefühlsausdruck am Ende... Neben den sehr privaten Schilderungen von Teresa Enke und Jörg Nebelung gibt es auch einmalige Bilder aus dem privaten Fotoalbum der Enkes. Die Bilder versetzen mir noch heute einen Stich.

Wer also eine absolut mitreißende, wahnsinnig tiefe und offene Biografie lesen möchte, mehr über den Alltag eines Nationalspielers erfahren will oder über das Leben mit Depressionen, sollte dieses unglaubliche Buch unbedingt lesen! "Ein allzu kurzes Leben" - der Titel ist Programm.

Mehr Biografien Ende Juni gesammelt bei der lesenden Minderheit!

Kommentare:

  1. meine liebe, danke für deinen tipp und deine gedanken.. ich kann mich auch noch ganz genau an den besagten tag erinnern, hier in hannover war das natürlich nochmal etwas heftiger.. es gab kein anderes thema. das buch würde mich auch sehr interessieren, vielleicht schafft es als nächstes den sprung auf meinen bücherberg.. notiert hab ich es.. und hoffe auf den richtigen moment für diese geschichte..
    drück dich und wünsch dir noch ganz wunderbare stunen, genieß es!! xx

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  2. Wow, ich finde es toll, wie man dir deinen Schock, deine Lese-Begeisterung und tiefe Anteilnahme anmerkt. Es ist schon heftig, wie einen der Tod eines in der Öffentlichkeit stehenden Menschen wachrütteln kann. Liebste Grüße, Theresa PS: Und ja, die Titanic fand ich auch nicht zum Heulen - sehr sympathisch ;-)

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Vielen lieben Dank für Deinen Kommentar. Immer wieder eine große Freude im kleinen Freudenhaus.

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